Bordeaux 2009

Bordeaux 2009

 

Mit dem Jahrgang 2009 kam in Bordeaux ein Weinjahrzehnt zu seinem Ende, in dem es gar keine Ausfälle gab, und das überdies mit einer Trias an überragend guten Jahrgängen und einem weitgehend verkannten Jahrgang 2008 aufwarten kann.

Nach meiner persönlichen Einschätzung gebührt dem Jahrgang 2009 dabei unbestritten die Krone der Superiorität, weil – anders als in 2000 und 2005 – die großen Terroirs fast ausnahmslos potentiell perfekte Weine hervorgebracht haben.

Während man, um die letzten Jahrgänge zu verstehen, meist akribisch Klimahistorie betreiben musste, ist der Sachstand in diesem Jahr etwas leichter zu fassen. Vergleicht man 2009 mit 2005, dann fällt bei einer insgesamt üppigeren Niederschlagsgabe (2009: 689mm / 2005: 459mm / normal: 878mm) 2009 das jahreszeitliche Auseinanderdriften auf: während das Frühjahr deutlich regenreicher war, war der niederschlagsarme Sommer nicht so trocken wie 2005, dafür der Herbst noch einmal signifikant regenärmer als 2005. Kam es in 2005 nicht nur vereinzelt zu Trockenstress, war das Problem arretierender Reifungsprozesse eine Olympiade später, auch bedingt durch eine sehr ausreichende Basis in den Wasserdepots, viel weniger ein Problem. Naturgemäß verfügen die grossen Terroirs sowohl über eine effektivere Drainage, als auch über bessere Wasserdepotqualitäten.

So erklärt sich, dass meist diejenigen Château mit den besten Terroirs, denen ein distinkt höherer Qualitätsnimbus eigen ist, die besseren Weine hervorbrachten. Aber auch durch Fleiß und Intuition gelang es manchem Winzer, die Qualität seines Weins über das, was man bisher der Lage an Möglichkeit zugestanden hat, hinauszuführen. Michel Theron vom Clos du Jaugueyron dürfte dafür das Paradebeispiel sein.

Naturgemäß verursacht eine Bilderbuchvegetation eine höhere Zuckerkonzentration. So verwundert nicht, dass die Cabernets im Médoc meist bei 13° und die Merlots bei 14° lagen, und weiter landeinwärts, dort, wo der atlantische Einfluss nachlässt, im Libournais noch jeweils einen Prozentpunkt höher.

Da der ausgeprägte Altweibersommer nicht die Defizite eines nachrangigen Sommers wie im Vorjahr wettzumachen hatte, sondern seine aromenbildende Arbeit quasi auf nobler Grundlage verrichten konnte, und überdies kühle Nächte das ihrige zur Erhaltung der Frische beitrugen, ist 2009 in der Spitze 2005 überlegen und findet früh Einlaß in den Pantheon mythischer Jahrgänge.

Nach meiner persönlichen Beobachtung ist der Umstand inferiorer Güte mancher Weine in 2009 gegenüber dem potentiell Möglichen aber wohl menschlicher Dummheit geschuldet. So wie ein Lehrer das Genie eines Eleven in eine Begabung zermartern kann, indem er die vorzüglichen Anlagen durch Zucht übersteigern will und dabei die Natur verkennt und ruiniert, so wollten vereinzelt Winzer/Önologen der natürlichen Vorlage noch die Krone aufsetzen.

2009 ist ein Jahr des richtigen Maßes, sowohl was den Lesezeitpunkt, die Assemblage und die Extraktion betrifft. Es galt das delphische „mäden agan“ zu beherzigen, um die Chance epochaler Klasse nicht zu vertun.

Bei der Durchsicht des Angebots wird Ihnen die monetäre Spreizung des Angebots auffallen: während es überraschend viele, sehr angemessen bewertete Genußweine in der Preisklasse zwischen EUR 10,00 und EUR 35,00 gibt, warten die Premiers mit Preisen auf, die man bisher nur von den gesuchten Spitzenjahrgängen der Vergangenheit kennt. Die Fundierung der Luxusware Wein in der globalisierten Warenwelt ist besonders dem Wesen der Fungibilität geschuldet und wird weiterhin dazu führen, dass es eine handvoll Weingüter aus Bordeaux gibt, deren Weine aus dem Reflexionsradius des weinaffinen Genußmenschen entschwinden.

Es wäre unredlich, nicht zu konzedieren, dass das Gros der Weine, die das Elixir so manchen Weintraums sind, teuer geworden sind. Jedoch sind die Qualitäten, die man erhält, denen meist überlegen, die man früher nur für noch teureres Geld bekam. Aktuell erhalten Sie mit Weinen wie Haut-Bailly und Pontet-Canet einen den Premier Crus vor einem Jahrzehnt äquivalenten bis überlegenen „Genuß-Gegenwert“. Und bei vielen Weinen aus dem „cru-bourgeois-Segment“ erhalten Sie aktuell Qualitäten, die man früher bei klassifizierten Gewächsen für beachtlich gefunden hätte.

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