Chateau Pontet Canet 2016 – ein Apologie

Es vergeht kaum ein Jahr, in dem die Pontet-Canet-Macher um Alfred Tesseron nicht für besonderes Aufsehen sorgen. Einmal lancieren sie ihren Primeurpreis vor den Primeurproben, ein andermal setzen sie mit einer zweiten Tranche ein i-Tüpfelchen, dann wieder setzen sie einen als unverschämt empfundenen Preis fest. Wenn die Welle der Empörung jeweils so groß sein kann, hängt dies offensichtlich daran, dass es viele in ihrem Befinden berührt. Wie kein zweiter Betrieb in Bordeaux ist es Chateau Pontet Canet in den letzten 10 Jahren gelungen, eine ganze Klassifikation, und noch dazu die weltweit wertvollste und prestigeträchtigste, zu desavouieren und die darin begründete Rangordnung gehörig auf den Kopf zu stellen – und nun, mit dem Jahrgang 2016: sogar zu transzendieren. Mehr kann ein Wein nicht sein, als es der Pontet Canet 2016 ist: der Inbegriff von WEINSEIN.

Alfred Tesseron mit Pontet-Canet 2012                                    Foto: © Matthias Hilse

Alfred Tesseron mit Pontet-Canet 2012 Foto: © Matthias Hilse

Man darf vermuten, dass die jeweils Verantwortlichen in den bordelaiser Chateaux durchaus, und mehr noch, als die professionellen Verkoster, die immer nur punktuell Erhellendes erfahren, ein breites Bewusstsein davon haben, was sie sowohl in absoluter vertikaler als auch in relativer horizontaler Vergleichsbetrachtung produziert haben.

Bei Pontet Canet kommt eine ins Gerissene gehende Bauernschläue hinzu, wenn man mit der Veröffentlichung des Preises so lange wartet, bis eine andere, mit dem “Mitgliedsstatus der superzweiten Gruppe” bestallte Ikone etwa zeitgleich an die Öffentlichkeit geht.

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Natürlich ist ein Preisaufschlag von 44% auf den Vorgängerjahrgang in Zeiten, in denen Zinskurven dem topographischen Querschnitt durch die norddeutsche Tiefebene gleichen, zu hinterfragen.

Der Pontet Canet 2016 jedenfalls, den ich im Glas hatte, ist in seiner epochalen Qualität erhaben über alle Anfeindungen, die ihm entgegenschlagen. Denn einem Wein, der das Beste aus den jeweiligen 100-Parkerpunkten-Jahrgängen 2009 und 2010 in sich vereint, wird man nicht nachsagen wollen, sein Preisnachlass von über 30% gegenüber den Referenzjahrgängen sei keine Opportunität.

Verkostungsnotiz:

Der Pontet Canet 2016 trägt die Botschaft in die Welt, den Druiden um Alfred Tesseron und Jean-Michel Comme sei es gelungen, Potenz und Akt so weit anzunähern, dass derjenige mit Blindheit geschlagen ist, der hier keine Perfektion erkennen mag. Im Sinne de la Fontaine’s “Tous chemins vont à Rome” invertiert der Protopauillac zugleich die Laufrichtung des Fabelhaften und verortet seinen Ursprung in den heimatlosen Begriffen von zeitloser Schönheit und Erhabenheit. Dem Makel der offenkundigen Terroirinsuffizienz stellt er die Dekonstruktion des Klassischen entgegen.

Mit souveräner Gelassenheit und dem tiefen Vertrauen auf die eigene, reine Seele zelebriert der Pontet Canet ein Gaumenballett von allerhöchster Grazilität, Reinheit, Zartheit und Akrobatik, die ihre atemberaubende (Wechsel-)Spannung aus der Ineinswerdung der vermeintlichen Antipoden Rasse und Milde, Dichte und Transparenz, Opulenz und Linearität erfährt. Der blaubeerige Fruchtfluss ist zugleich ölig-viskos und ungemein frisch, die Gerbstoffdurchwirkung zeigt eine monumentale Signatur der Feinheit, die in dem Spiel tanzender Gaumenwogen immer neue Arpeggien aromatischer Betörung – einem perpetuierenden Echo gleich – zum Klingen bringen. So, als wäre es nichts, eine ganze Tanninwelt auf den Schultern zu tragen, gleitet der in feinste Seide gehüllte polymere Fruchtkorpus in beschwingter Schwerkraftenthebung über die Zunge und setzt Gedenkpunkte stupender Verblüffung. Die Größe dieses Bordeauxwurfs ist reziprok zur Länge seiner Verweildauer in den Katakomben sensorischer Befassung.

Matthias Hilse 100/100 Punkten

Subskriptionsindex 20/20

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Das Pauillac-Herz schlägt hier: Chateau Batailley 2016

Chateau Batailley

Chateau Batailley, 5ème Grand Cru Classé in Pauillac

Das Herz von Pauillac schlägt in 2016 auf Chateau Batailley, denn auch wenn es in dieser Appellation nicht an edlen Weinen mangelt, so berührt der Batailley doch am meisten die Verkosterseele, weil hier Typizität, Reinheit, Rasse und Bezahlbarkeit in einer Weise zusammenkommen, die man eigentlich nur als Glücksfall bezeichnen kann. Wer jetzt große Freude beim Genießen der Jahrgänge 2009 und 2010 empfindet, dem sei angeraten, sich des 2016er Batailley in ausreichender Stückzahl anzunehmen, denn der Konsens der namhaften Verkoster legt eine kontinuierlich hohe Nachfrage hierfür sehr nahe.

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Verkostungsnotiz:

Mit feiner Zurückhaltung, etwas scheu, so als wolle er die große Bühne, auf der aufzutreten er auserchoren wurde, doch lieber meiden, skizziert der Batailley 2016 zunächst einen feinen Schattenwurf von präziser Pauillac-Typizität, ehe er dann, wenn man nur geduldig genug das Glas kreisen lässt, feine Cassisnoten, eine Prise Minze, einen mit feinem Tabakhauch unterlegten Graphitdstrich und eine dezent florale Anmut hervorbringt. Der Gaumenfluss ist von erhabener Feinheit, der Tanninsaum, in dem ein präziser, leicht extraktsüsser, überaus animierender Fruchtkern passgenau eingebettet liegt, ist von Meisterhand coutouriert, das Finale langanhaltend und beeindruckend nachdrücklich. Dieser Batailley wird sich zu einer Sauvignonikone par excellence entwickeln und macht das Chateau zum Aufsteiger des Jahres in Bordeaux!

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Matthias Hilse: 95-97 Punkte

Subskriptionsindex 20/20

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Chateau Montrose 2016 – ein Phantom

Es gab Momente, da musste es schon noch der fernöstlich angesagteste Bordeaux sein, um unerkannt in die Katakomben globaler Nachfrage zu entkommen. Das war quasi eine Flucht erster Klasse – und vielleicht war es den Verantwortlichen der Domaines Lafite Rothschild selbst nicht so ganz geheuer.

Zeiten, die es fertig bringen, solche ehemaligen Duplizitäten wie “positiver Zins” zu enttautologisieren, bergen das Potential, post-revolutionäre-Faktizität zu schaffen, denn wenn der König nun leblos ist, lebt der König eben nicht weiter. Die ubiquitäre Transparenz des Internets nämlich legitimiert nach Können, kaum noch nach Genealogie.

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Da “Können” in Fragen sensorischer Rezipienz Geschmackssache ist, hat es eine Weile gebraucht, bis die real verfügbaren Fass- und Flaschenmuster in ihrer Eindringlichkeit den Vollzug der Inversion melden konnten: Denn mit dem Bordeaux Jahrgang 2016 ist eine Wachablösung vollzogen worden, die die Riege der Premier Crus in die Obhut sekundärer Relevanz verlegt.

Wenn nun der monolithische Montrose 2016 DER BORDEAUX ist, der en passant in die Kategorie “wie vom Erdboden verschwunden” defiliert, dann hat er dies nicht nur seinem einzigartigen Bordeauxsein zu verdanken, sondern vor allem auch der Unentschlossenheit derjenigen, die sein Abtauchen durch beherztes Zugreifen zumindest hätten deutlich erschweren können.

Die Geschichte des Entgleitens des Überbordeaux Montrose 2016 in die Sphäre des Phantoms rührt auch an der Rolle der Negociants. Deren primäres Ausrichten auf eine stabile Bilanzimmanenz ist die Tinte, mit der die Phantasie der Bordeaux-Aficionados den Mythos paraphiert.

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Chateau Cos d’Estournel Subskription 2016

Wenn man sagt, aller Anfang sei schwer, dann kann es kaum verwundern, dass dies auch bei der Bordeaux Subskription so ist – auch ganz ohne Ausflug in die Welt des unbewegten Bewegers. Die Subskription als das einer jeweiligen Ernte hinterherlaufende Ereignis ist dabei per se zwar ein Selbstzünder, wer aber nun nach dem Anfangen im selbstläufigen Beginnen als erster sich dem Wettbewerb stellt, das scheint eine Frage der Taktik zu sein, so etwa, wie man das aus Steher-Rennen noch kennt.

Im Sinne der Inszenierung einer Handlung mit stabilem Spannungsbogen braucht es einen Aussenseiter, der es sich leisten kann, dann, wenn das breite Publikum sich der Sache zuwendet, bereits wieder vergessen zu sein. Folgerichtig hatte für ein paar Jahr Clos Louie den Subskriptionsreigen eröffnet, denn es gibt so wenig von diesem Ausnahmewein, dass zu viel Aufmerksamkeit fast schon schädlich wäre. Wenn nun heuer ein Sauternes das Geschehen eingeläutet hat, sagt dies einiges über den Zustand saccharider Opulenz in Bordeaux.

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Die Weine von Peter Kwok, die die ersten deutlichen Akzente in diesem Jahr gesetzt haben, sind vielen noch nicht vertraut, so dass bisher kaum jemand, der sich nicht etwas tiefer mit Bordeaux befasst, von deren Sagenhaftigkeit berichten kann. Die Zeit für Enclos Tourmaline und auch für Chateau Tour Saint Christophe ist noch nicht reif, so dass es nur konsequent von den Eigentümern war, “ausser Konkurrenz” zu starten.

Heute nun kam zur Überraschung vieler mit Cos d’Estournel nicht nur einer der großen Weine des Jahres, sondern eben auch ein Supersecond und – nicht ganz unwichtig: ein Saint Estephe – und überdies: zum gleichen Preis wie im Vorjahr.  Nun kann man dieses Ereignis verschieden erzählen, etwa so, dass der Wein im letzten Jahr zu teuer gewesen sei, und es somit etwas zu korrigieren gab. Auch könnte ein Exportüberhang in euroferne Länder und damit das Denken in Währungsparitäten eine Rolle spielen. Sind alle großen Terroirs in der bequemen Lage, keinen Wein wirklich verkaufen zu müssen?

Auf jeden Fall ist ein erstes Ausrufezeichen gesetzt, und selbst wenn ich persönlich vermute, dies öffne für den Übersaintestephe Montrose den Weg, um sich preislich (endlich) an die Spitze der Appellation zu setzen, bleibt somit die Chance gewahrt, dass verschiedentlich an den richtigen Stellen Lehren aus den Preistiraden des Jahrgangs 2010 gezogen wurden.

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Chateau Haut Bailly 2016

“JULIUS KATCHEN – The Complete Decca Recordings” haben es mir angetan, und die dezente Unschärfe, die diese Aufnahmen begleitet, hat mich spontan zum Versuch inspiriert, dem erhabenen Haut Bailly 2016 nicht durch eine semantische Hommage, sondern durch eine entsprechende Visualisierung nahe zu kommen:

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The Brillance of Unseen Fragrance – © Matthias Hilse

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Bordeaux Subskription 2016 oder vom “Weniger-ist-Mehr-Eldorado”

Der Bordeaux Jahrgang 2016 vereint in seiner Alkoholzurückhaltung und den niedrigen PH-Werten das, was nur in Ausnahmejahren zusammengeht: allgegenwärtige Frische und Opulenz in der Frucht, Klarheit und Kraft, Finesse und Nobilität.

S16KirwanDSC_8257Der neue Keller von Chateau Kirwan, Foto © Matthias Hilse

Auch wenn es schwer zu glauben ist, so setzt der Bordeaux Jahrgang 2016 ein klares Zeichen, dass es nach vermeintlichen “Überjahrgängen” immer noch präziser und besser gehen kann. Wer nun argumentieren möchte, es gäbe bei der Anzahl der sehr guten Jahre doch ein Angebot, das die Nachfrage deutlich übersteige, verkennt die Verknappung der Erträge der bestens Terroirs durch rigide Selektion einerseits und durch die Neigung der Weingüter, nur noch einen kleinen Teil der Ernte auf den Markt zu schleusen.

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Bewährt: Chateau Batailley, Foto © Matthias Hilse

Auch in 2016 wird es von den großen Chateaux nicht genügend Wein geben, um die Nachfrage ausreichend bedienen zu können, von daher scheint es mir vorgezeichnet, dass der Preis hier seine Marktfunktion auf die unangenehme Art ausüben wird.

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Der neue Keller von Chateau Pichon Comtesse, Foto © Matthias Hilse

Wem es nicht um die Perfektion, sondern und das Bestmögliche in einem bestimmten Budgetumfeld geht, wird im Jahrgang 2016 voll auf seine Kosten kommen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Chateau Tour Saint Christophe, das seinen Wein gestern zu sehr moderatem Preis lanciert hat.

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Spitzenpomerol, Foto © Matthias Hilse

Im Folgenden finden Sie meine Bewertung des Jahrgangs, und da neben der qualitativen Einschätzung auch alljährlich die Frage diskutiert wird, ob denn die Subskription überhaupt noch einen Sinn macht, finden Sie meinen Subskriptionsindex als Maß für die Sinnhaftigkeit des Primeurkaufs auf den einzelnen Wein bezogen.

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Lichtenklave, Foto © Matthias Hilse

Der Subskriptionsindex umfasst ein Zahlenspektrum von 5 Punkten zwischen 16/20 und 20/20. Weine mit einem Subskriptionsindex von 20/20 werden innerhalb der Subskription entweder ausverkauft sein – oder sie werden, ähnlich, wie dies in 2009 mehrfach passiert ist, im Preis sehr schnell zu steigen anfangen. Weine mit einem Subskriptionsindex unter 16/20 werden nicht aufgeführt, weil hier die Subskription keinen Sinn macht.

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Bordelaiser Lichtvariationen, Foto © Matthias Hilse

Der Index ist an der Qualität ebenso orientiert wie an der Verfügbarkeit, in ihn fließen alle Faktoren ein, die am Ende das Maß der Knappheit bestimmen. Denn über die reine Bewertung hinaus ist es doch auch interessant, eine Richtlinie für das eigene Einkaufsverhalten zu finden: bei welchen Weinen lohnt ein rasches Engagement, wo ist Zuwarten nicht sträflich?

S16BeychevelleDSC_8202 Der neue Keller von Chateau Beychevelle, Foto © Matthias Hilse

Die folgende Auflistung meiner Primeurbewertungen 2016 ist zunächst nach Appellationen aufgeteilt, und innerhalb dieser absteigend nach Punkten sortiert. Die Weine mit * werden wahrscheinlich nicht in Subskription angeboten werden.

Wein Appellation Punkte
Matthias Hilse
Subskriptions-
index
Pin Beausoleil Bordeaux Superieur 91-92 17
De Reignac Bordeaux Superieur 90-92 17
Gree Laroque Bordeaux Superieur 90-91 17
Ad vitam aeternam Bordeaux 90-91 17
Domaine de Courteillac Bordeaux Superieur 88-90 16
Vrai Canon Bouche Canon Fronsac 92-93 18
Gaby Canon Fronsac 90-91 17
Roc de Cambes Côtes de Bourg 95-97 20
Domaine de Cambes Côtes de Bourg 92-94 18
Clos Louie Côtes de Castillon 95-98 20
Mouleyre Côtes de Castillon 92-94 18
Clos Puy Arnaud Côtes de Castillon 92-93+ 18
Domaine de L’Aurage Côtes de Castillon 92-93 18
Domaine de L’A Côtes de Castillon 92-93 17
Laussac Côtes de Castillon 90-92 17
Cap de Faugeres Côtes de Castillon 90-92 17
Aiguilhe Côtes de Castillon 90-91 18
Moulin Haut Laroque Fronsac 92-93 19
Fontenil Fronsac 92-93 18
Veille Cure Fronsac 91-93 18
Haut Carles Fronsac 91-93 18
Dalem Fronsac 91-92+ 18
Trois Croix Fronsac 91+ 18
Villars Fronsac 90-92 19
Rousselle Fronsac 90-92 19
Carlmagnus Fronsac 90-92 18
Dauphine Fronsac 89-90 18
Lagune Haut-Médoc 94-96 19
Sociando Mallet Haut-Médoc 92-94 18
Cantemerle Haut-Médoc 92-94 18
Tour Carnet Haut-Médoc 91-94 18
Citran Haut-Médoc 91-93 18
Camensac Haut-Médoc 91-93 18
Belgrave Haut-Médoc 91-93 18
Senejac Haut-Médoc 91-92 19
Lanessan Haut-Médoc 91-92 19
Bernadotte Haut-Médoc 91-92 18
Charmail Haut-Médoc 90-93 18
Peyrabon Haut-Médoc 90-92 18
Paloumey Haut-Médoc 90-92 18
Mille Roses Haut-Médoc 90-92 18
Devise d’Ardilley Haut-Médoc 90-92 18
Belle Vue Haut-Médoc 90-92 18
Malescasse Haut-Médoc 90-91 17
Agassac Haut-Médoc 90-91 18
Malleret Haut-Médoc 90+ 17
Cambon la Pelouse Haut-Médoc 89-91 17
Aurilhac Haut-Médoc 89-90 17
Fleur de Bouard Lalande-de-Pomerol 92-93 17
Siaurac Lalande-de-Pomerol 91-92 17
Cruzelles Lalande-de-Pomerol 91-92 18
Margaux Margaux 99-100 20
Palmer Margaux 98-100 20
Rauzan Segla Margaux 96-98 20
Brane Cantenac Margaux 96-98 19
Malescot Saint Exupery Margaux 95-98 20
Alter Ego Margaux 95-98 20
Kirwan Margaux 95-97 20
Pavillon Blanc Margaux 94-97 20
Issan Margaux 94-96 18
Giscours Margaux 94-96 19
Cantenac Brown Margaux 94-96 18
Ferriere Margaux 94-95 19
Durfort Vivens Margaux 94-95 17
Tertre Margaux 93-95 19
Rauzan Gassies Margaux 93-95 17
Pavillon Rouge Margaux 93-95 18
Clos du Jaugueyron Margaux 93-95 19
Prieure Lichine Margaux 93-94 17
Marquis de Terme Margaux 93-94 17
Labegorce Margaux 93-94 18
Angludet Margaux 93-94 19
Lascombes Margaux 92-95 17
Marquis d’Alesme Becker Margaux 92-93 17
Desmirail Margaux 92-93 17
Dauzac Margaux 92-93 17
Boyd Cantenac Margaux 92-93 17
Siran Margaux 91-93 17
Monbrison Margaux 91-93 17
Mille Roses Margaux Margaux 91-93 18
Clos Manou Médoc 92-93 19
Potensac Médoc 91-93 18
Goulee Médoc 90+ 17
Vieux Chateau Palon Montagne Saint-Emilion 90-92 18
Branas Grand Poujeaux Moulis 92-93 18
Maucaillou Moulis 90-93 17
Chasse Spleen Moulis 90-92 17
Poujeaux Moulis 90-91 17
Pontet Canet Pauillac 100-100 20
Mouton Pauillac 99-100 20
Pichon Comtesse Pauillac 99-100 20
Latour Pauillac 98-100 *
Lafite Pauillac 97-99 20
Pichon Baron Pauillac 97-99 20
Lynch Bages Pauillac 96-98+ 20
Forts de Latour Pauillac 95-98 *
Batailley Pauillac 95-97 20
Grand Puy Lacoste Pauillac 95-97 19
Duhart Milon Pauillac 94-97 18
Carruades Pauillac 94-95 17
Clerc Milon Pauillac 93-96 18
Armailhac Pauillac 93-94+ 18
Haut Bages Liberal Pauillac 93-94 18
Petit Mouton Pauillac 92-94 17
Croizet Bages Pauillac 92-93 17
Grand Puy Ducasse Pauillac 92-93 17
Lynch Moussas Pauillac 92-93 18
Pedesclaux Pauillac 92-93 17
Bellegrave Pauillac 91-92 17
Fleur Peyrabon Pauillac 91-92 17
Fonbadet Pauillac 91-92 17
Reserve de la Comtesse Pauillac 91-92 17
Haut Brion rot Pessac-Léognan 100-100 20
Mission Haut Brion Pessac-Léognan 100-100 20
Haut Bailly Pessac-Léognan 98-100 20
Carmes Haut Brion Pessac-Léognan 97-100 20
Pape-Clement Pessac-Léognan 97-98+ 19
Smith Haut Lafitte Rot Pessac-Léognan 97-98+ 19
Pape Clement Weiß Pessac-Léognan 95-96 19
Domaine de Chevalier Rot Pessac-Léognan 94-97+ 19
Clarence de Haut Brion Pessac-Léognan 94-96 18
Smith Haut Lafitte Weiß Pessac-Léognan 94-95 18
Chapelle de la Mission Pessac-Léognan 93-95 18
Parde de Haut Bailly Pessac-Léognan 93-94 19
Malartic Lagraviere Rot Pessac-Léognan 92-95 18
Carbonnieux Rot Pessac-Léognan 92-94 17
Seguin Pessac-Léognan 92-93+ 18
Fieuzal rot Pessac-Léognan 92-93 17
Latour Martillac rot Pessac-Léognan 92-93 17
Luchey Halde Pessac-Léognan 92-93 18
Clos Marsalette Pessac-Léognan 91-93 18
Haut Bergey rot Pessac-Léognan 91-93 17
Pape Pessac-Léognan 91-93 18
Pontac Monplaisir Pessac-Léognan 91-93 17
Limbourg Pessac-Léognan 91-92 17
Haut Nouchet Pessac-Léognan 90-91 17
Violette Pomerol 98-99 20
Vieux Chateau Certan Pomerol 97-99 20
Clinet Pomerol 97-99 20
Enclos Tourmaline Pomerol 97-98 20
Evangile Pomerol 97-98 19
Fleur Petrus Pomerol 97-98 20
Gazin Pomerol 97-98 20
Trotanoy Pomerol 97-98 20
Conseillante Pomerol 96-99 19
Feytit Clinet Pomerol 96-98+ 20
Gay Pomerol 96-98+ 20
Eglise Clinet Pomerol 96-98 20
Certan de May Pomerol 95-98 18
Fleur de Gay Pomerol 95-98 18
Hosanna Pomerol 95-97 18
Clos l’Eglise Pomerol 95-96 18
Nenin Pomerol 94-96 18
Domaine de l’Eglise Pomerol 94-95 17
Bon Pasteur Pomerol 93-96 17
Latour a Pomerol Pomerol 93-96 18
Clos du Clocher Pomerol 93-95 19
Croix Saint Georges Pomerol 93-95 17
Petit Village Pomerol 93-95 17
Rouget Pomerol 93-94 17
Croix de Gay Pomerol 92-94 17
Maillet Pomerol 92-94 18
Montviel Pomerol 92-94 18
Petite Eglise Pomerol 92-94 19
Beauregard Pomerol 92-93 17
Bourgneuf Pomerol 92-93 17
Croix du Casse Pomerol 92-93 17
Pointe Pomerol 92-93 18
Grave Pomerol 91-93 17
Manoir de Gay Pomerol 91-93 17
Lafleur Gazin Pomerol 90-92 17
Lagrange Pomerol 90-91 17
Plince Pomerol 90-91 17
Carignan Prima Premieres Cotes de Bordeaux 91-92+ 18
Mauriane Puisseguin Saint-Emilion 92-93 19
Canon Saint Emilion 100-100 20
Cheval Blanc Saint Emilion 100-100 19
Ausone Saint Emilion 99-100 20
Figeac Saint Emilion 99-100 20
Tertre Roteboeuf Saint Emilion 98-100 20
Belair-Monange Saint Emilion 97-99 20
Clos Fourtet Saint Emilion 97-99 19
Pavie Saint Emilion 97-99 18
Trotte Vieille Saint Emilion 97-99 20
Mondotte Saint Emilion 97-98 20
Beausejour Duffau Lagarosse Saint Emilion 97-99 20
Troplong Mondot Saint Emilion 96-99 19
Angelus Saint Emilion 96-98 18
Clos de Sarpe Saint Emilion 96-98 17
Clos Saint Martin Saint Emilion 96-98 18
Gracia Saint Emilion 96-98 19
Larcis Ducasse Saint Emilion 96-98 18
Vieux Chateau Mazerat Saint Emilion 96-98 18
Dome Saint Emilion 96-97 18
Gaffeliere Saint Emilion 96-97 17
Asteries Saint Emilion 95-98 18
Fleur Morange Saint Emilion 95-98 20
Pavie-Macquin Saint Emilion 95-98 19
Canon de Gaffeliere Saint Emilion 95-97 18
Peby Faugeres Saint Emilion 95-97 18
Petit Cheval Saint Emilion 95-97 18
Chapelle d’Ausone Saint Emilion 94-97 20
Lassegue Saint Emilion 94-97 *
Croix de Labrie Saint Emilion 94-96 19
Rochebelle Saint Emilion 94-96 19
Clos Dubreuil Saint Emilion 93-96 19
Tour Figeac Saint Emilion 93-96 *
Clos Saint Julien Saint Emilion 94-95 20
Quintus Saint Emilion 94-95 17
Tour St. Christophe Saint Emilion 94-95 20
Barde Haut Saint Emilion 93-95 18
Fleur Cardinale Saint Emilion 93-95 19
Lucia Saint Emilion 93-95 19
Quinault L’Enclos Saint Emilion 93-95 18
Voute Saint Emilion 93-95 20
Berliquet Saint Emilion 93-94+ 18
Petit Gravet Aine Saint Emilion 93-94+ 20
Clos des Jacobins Saint Emilion 93-94 18
Clos la Magdelaine Saint Emilion 93-94 19
Dominique Saint Emilion 93-94 18
Fonroque Saint Emilion 93-94 18
Lafon la Tuilerie Saint Emilion 93-94 20
Monbousquet Rouge Saint Emilion 93-94 17
Pierre de Lune Saint Emilion 93-94 18
Pressac Saint Emilion 93-94 19
Serre Saint Emilion 93-94 18
Beausejour Becot Saint Emilion 92-95 17
Destieux Saint Emilion 92-95 17
Bellevue Saint Emilion 92-94 17
Clotte Saint Emilion 92-94 17
Confession Saint Emilion 92-94 17
Couspaude Saint Emilion 92-94 17
Croix Canon Saint Emilion 92-94 18
Grand Mayne Saint Emilion 92-94 17
Moulin Saint Georges Saint Emilion 92-94 18
Clos des Prince Saint Emilion 92-93+ 18
Bellefont-Belcier Saint Emilion 92-93 17
Clos de l’Oratoire Saint Emilion 92-93 17
Pierre 1er (vormals Croix Figeac) Saint Emilion 92-93 17
Faugeres Saint Emilion 92-93 17
Grand Corbin Manuel Saint Emilion 92-93 17
Pierre 1er Saint Emilion 92-93 17
Sanctus Saint Emilion 92-93 17
Cantenac Saint Emilion 91-93 18
Croix Cardinale Saint Emilion 91-93 18
Haut Brisson Saint Emilion 91-93 19
Rol Valentin Saint Emilion 91-93 17
Brun Saint Emilion 91-92 18
Fleur Morange Mathilde Saint Emilion 91-92 18
Godeau Saint Emilion 90-92+ 19
Boutisse Saint Emilion 90-91 17
Fonbel Saint Emilion 90-91 17
Montrose Saint-Estèphe 100-100 20
Calon Segur Saint-Estèphe 98-100 20
Cos d’Estournel Saint-Estèphe 98-100 19
Dame de Montrose Saint-Estèphe 93-95 19
Lafon Rochet Saint-Estèphe 93-95 18
Pagodes de Cos Saint-Estèphe 93-95 18
Meyney Saint-Estèphe 93-94+ 19
Phelan Segur Saint-Estèphe 93-94+ 19
Haut Marbuzet Saint-Estèphe 93-94 18
Marquis de Calon Saint-Estèphe 92-95 18
Capbern Gasqueton Saint-Estèphe 92-94 19
Cos Labory Saint-Estèphe 92-94 18
Ormes de Pez Saint-Estèphe 92-94 18
Tronquoy Lalande Saint-Estèphe 92-94 *
Crock Saint-Estèphe 92-93 18
Domeyne Saint-Estèphe 92-93 18
Lilian Ladoys Saint-Estèphe 92-93 18
Serilhan Saint-Estèphe 92-93 18
Tour des Termes Saint-Estèphe 92-93 18
Boscq Saint-Estèphe 91-93 19
Pez Saint-Estèphe 91-93 18
Clauzet Saint-Estèphe 91-92 18
Petit Bocq Saint-Estèphe 90-93 17
Saint Pierre de Corbian Saint Estèphe 90+ 17
Leoville las Cases Saint-Julien 98-100 19
Leoville Poyferre Saint-Julien 96-98+ 20
Ducru Beaucaillou Saint-Julien 96-98 19
Leoville Barton Saint-Julien 96-98 19
Saint Pierre Saint-Julien 96-97 19
Beychevelle Saint-Julien 95-98 19
Gruaud-Larose Saint-Julien 95-98 18
Talbot Saint-Julien 95-97 18
Croix de Beaucaillou Saint-Julien 94-95 18
Branaire Ducru Saint-Julien 93-96 18
Gloria Saint-Julien 93-95 19
Lagrange Saint-Julien 93-95 18
Langoa Barton Saint-Julien 93-94 18
Petit Lion Saint-Julien 92-95 17
Clos du Marquis Saint-Julien 92-94 17
Moulin Riche Saint-Julien 92-93 18
Lalande Borie Saint-Julien 91-92 17
Glana Saint-Julien 90-92+ 18
Petite Marquise Saint-Julien 90-92 17
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Bordeaux 2016 – zurück in die perfekte Zukunft

Bordeaux 2016 – viel mehr wird man später nicht sagen müssen, um in einem Synonym Perfektion zu bezeichnen. Den des Lesens über grandiose Jahrgänge in Bordeaux Müden sei zugeflüstert: auf leiseren Sohlen ist in den letzten 20 Jahren noch keine Genialität in den Hallen der Primeurs gewandelt. Um Sie ein wenig neugierig zu machen, finden Sie hier zunächst ein paar visuelle Eindrücke aus eigener Hand – die Einschätzung des Jahrgangs im Kontext all dessen, was heute noch eine Subskription ausmacht, wird in den nächsten Tagen folgen.

S16DSC_8599Bordeaux 2016: look and listen to the trees

S16ChevalbDSC_8124Chateau Cheval Blanc 2016

S16MargauxDSC_7908Chateau Margaux 2016

S16LatourDSC_8516Chateau Latour 2016

S16LLCDSC_8085Chateau Leoville Las Cases 2016

S16ClosFDSC_8692Clos Fourtet 2016

S16PalmerDSC_7889Chateau Palmer 2016

S16CosDSC_8020Chateau Cos d’Estournel 2016

S16CanonDSC_8708Chateau Canon 2016

S16TVDSC_8167Chateau Trotte Vieille 2016

S16HbaillyDSC_7533Chateau Haut Bailly 2016

S16PontetCDSC_8068Chateau Pontet Canet 2016

S16MontroseDSC_8082Chateau Montrose 2016

S16BaronDSC_8232Chateau Pichon Baron 2016

S16CalonsDSC_8028Chateau Calon Segur 2016

S16HöhlengleichnisDSC_7547Bordeaux 2016 oder vom Höhlengleichnis

S16DucruDSC_7980Chateau Ducru Beaucaillou 2016

S16EnclostDSC_8458Enclos Tourmaline 2016

S16ComtesseDSC_7992Chateau Pichon Comtesse 2016

S16DuffauDSC_8701Chateau Beausejour Duffau 2016

S16VioletteDSC_8388Chateau La Violette 2016 aus dem Keller von Chateau Le Gay

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Das Ausrufezeichen aus Saint-Emilion

Chateau Trotte Vieille 2015

Es ist vielleicht nicht das schlechteste Indiz, dass es sich bei Chateau Trotte Vieille nicht um einen solchen Saint-Emilion handelt, bei dem die Pfade ausgetreten sind, wenn man der Beobachtung Wert beimisst, dass Pavie und Angelus, als sie mit dem Jahrgang 2012 der als zu eng empfundenen “Classe B” entrücken konnten, dies jeweils mit einem schwarzen Etikett, das die Flaschen von Trotte Vieille aber schon immer ziert, zelebriert haben. Im Schatten von Chateau Canon, das in diesem Jahr alle Begehrlichkeiten durch eine geschickte Verknappung auf sich zu ziehen wusste, lancierte die Eigentümerfamilie Casteja den Trotte Vieille, und wenn meine Prognosen der letzten Jahre Sie mutig stimmen, meinem Urteil zu vertrauen, dann sollten Sie hier, zu diesem Preis – und solange der Wein noch verfügbar ist – “zuschlagen”. Denn 2015 ist zuallererst ein Cabernet-Franc-Jahr!

Château Trotte Vieille                                                                                             © Matthias Hilse

Château Trotte Vieille © Matthias Hilse

Anders als beim Sichtweitennachbarn Troplong Mondot ist die Kraft, die den Trotte Vieille 2015 auszeichnet, sublimiert und wirkt als Antriebsmasse für einen Charakter voller Rasse, Tiefe, Distinktion – und grossvolumiger Ruhe. Da, wo andere gehetzt aufschreien müssen, um Ausdruck zu erreichen, bleibt der Trotte Vieille ganz gelassen und behält den grossen Überblick.

Das Bouquet von unterschwelliger Süße, feinen floralen Rosenobertönen, dunklen Schokonoten, einem dezenten Trüffelhauch und vor allem distinkter aromatischer Beerenfrucht ist das Entree zu einem Gaumenflug von allerhöchster Anmut, Eleganz und Erhabenheit. Schwerelos, so als ob es hier keine Gravitation gäbe, gleitet eine verblüffend zarte, reine und klare Fruchtwoge, um die passgenau ein Tanninsaum von feinstem Zuschnitt liegt, zu einem Finale von ganz ausserordentlicher Verve und animierendem Esprit.

Der Saint-Emilion mit der Laufruhe eines grossvolumigen Achtzylinders.

Matthias Hilse 96-99 Punkte

Subskriptionsindex 20/20

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Alter Ego einmal anders oder: wo der Schatten nicht hinreicht

Über den Roc de Cambes 2015

Es gibt die Momente innerer Niedergeschlagenheit, wenn andere die eigene Wahrnehmung duplizieren und dadurch der vormals priviligierte Blick zum Allgemeingut wird. Was waren das für Zeiten, als Francois Mitjaville einen Tertre Roteboeuf bereitete, den man unbeschwert grossartig finden konnte, weil es als sicher galt, der Hegemon aller Degustatoren würde sich schon nicht erniedrigen, ihn in Canossa zu verkosten und der Erzeuger sich nicht dazu herablassen, seinen Wein in der Konfektion einer Probe sonstwohin zu senden.

FMitjaville

So kam es, dass einer der grossartigsten Saint-Emilions, stilistisch ein Solitär und aromatisch eine Augenweide sonder Gleichen, weitgehend unter dem Radar einer nur an den Exegesen des Meisters interessierten Öffentlichkeit bleiben konnte.

Neil Martin wiederum, der Alleinerbe in Sachen Bordeauxhermeneutik, hat intuitiv erkannt, dass er andere Marotten als sein übergroßer Vorgänger entwickeln muss. Dass er nun den Tertre Roteboeuf dorthin verortet, wo er genuin auch hingehört, zeigt die Grösse seiner Verkosterseele.

Glücklicherweise unverständlich bleibt dabei, dass die andere mitjavill’sche Kreation, der Roc de Cambes – jener Côte de Bourg, der schon allein durch die Auslassung solcher Präfixe wie “Château”, “Clos” oder auch “Domaine” signalisiert, ein Ausrufezeichen zu sein – nicht den gleichen degustatorischen Zuspruch, ja noch nicht einmal eine ansatzweise ähnliche Aufmerksamkeit bekommen hat, wie der Tertre Roteboeuf.

So erwächst aus einem Unglück minderer Ausprägung ein anderes Glück, das darin liegt, für etwas anzustehen, das keine besonderen rezeptiven Begehrlichkeiten erfahren hat.

Wer je erfahren möchte, welcher Wein in der Lage ist, die Intrinsik einer ganzen Region in der Ausprägung seines Wesens zu transzendieren, wer erfahren möchte, zu welchen sensorischen Höhen die Chuzpe eines Einzelnen, dem das “sich-Scheren-um-die-Gunst-der-Anderen” wesensfremd ist, führen kann, dem sei dringend angeraten, den Roc de Cambes einmal in die Obhut seiner eigenen Sorge zu nehmen.

Roc de Cambes, Cotes de Bourg

Roc de Cambes, Cotes de Bourg

In sicher ungewohnter Semantik könnte man den Roc de Cambes 2015 folgendermaßen beschreiben:

Der Roc de Cambes 2015 ist angewandte Philosophie und ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Oxymora trinkbar sind. Denn wie kein anderer Wein macht er die cusanische “coincidentia oppositorum”, also jene höhere Synthese rational zu vermutender Opposition in der Vernunft sinnlich erfahrbar. Oder anders ausgedrückt: wenn eine Faßprobe zugleich der Inbegriff kristalliner Klarheit und ebenso der Ausbund expressiver Aromenfülle, sowohl ein Inkarnat von Reinheit als auch eine Metapher für abundante Opulenz ist, dann dringt sie in den Grenzbereich sinnlicher Rezeptionsfähigkeit vor.

Dass die einzelnen Verkoster hier quasi in transzendentaler Wendigkeit rational-Disparates in noetische Einheit zu transponieren haben, macht die ungemeine Herausforderung dieses Sphärenweins des intraningenten Querkopfs Francois Mitjaville aus. Für manchen ist er eben nur ein Wein, wie es ihn zu Dutzenden im Libournais gibt, für andere ist der Roc de Cambes ein Unikat hors norme, weil er in die entlegendsten Winkel organoleptischer Dechiffrierkunst vordringt und immer wieder für stupende Verblüffung sorgt.

Und wem das alles zu kompliziert ist: wer seine Seele in einem Meer von Aromen mit frischestrotzenden Aufwallungen wollüstig saftiger, verführerisch extraktsaturierter, eminent eleganter Frucht baden möchte, dem sei eine “Roc-de-Cambes-2015-Kur” empfohlen.

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Ist eine Subskription eine Subskription eine Subskription?

Gedanken zur Bordeaux Subskription 2015 – einmal anders…

Vielleicht liegt es daran, dass zu den Zeiten, als Gertrude Stein die Rose tautologisierte, die Subskription noch nicht ersonnen war – um die Disparität zwischen begrifflicher Identität und phänomenologischer Varianz zu assoziieren.

Kellergruss

Kellergruss

Wer aber garnicht so weit gehen möchte, die ewige Wiederkehr des Gleichen als Ausweis der Normalität historischer Prozesse zu sehen, der wird leicht feststellen, dass, gerade weil es keine richtige Subskription im falschen Jahrgang gibt, eine Subskription nur dann eine Subskription ist, wenn die Subskription eine Rose ist.

Rose-1111 In dem Sinn, in dem Rosen rosig sein können, spricht Vieles für rosige Zeiten in der Bordeaux Subskription 2015.

Denn eine Subskription ist nur dann eine Rose, wenn es zuvor keine richtigen Subskriptionen, sondern nur falsche Jahrgänge gab.

Das iterative Moment, das beim Stottern Zeitläufe retardiert, verfestigt bei Subskriptionen das Wesen der Rose. Weil: genaugenommen war 2014 bereits ein Jahrgang mit richtiger Konjunktion. Da aus irgendwelchen Gründen – vielleicht einfach nur deswegen, weil ein Jahrgang mit der Suffixziffer “5″ das geeignetere Maß für Koinzidenz liefert – der Odem öffentlicher Aufmerksamkeit noch nicht ausreichte, eine Rosenhausse zu motivieren, brauchte es einen neuerlichen Subskriptionsanlauf, um aus 2015 eine Subskription im richtigen Jahrgang zu machen.

Kirschgartenrosen-1Wer in den letzten Jahren meinte, nicht zu irren, keine Rose zu sehen, dem sei zugerufen: 2015 war ein Rosenjahr, wie es im letzten Jahrhundert nur einige gab!

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